Früher
hieß es immer: „Frauen und Technik…” Dabei
wurden vielsagend Augenbrauen hochgezogen. Heute wissen wir: Frauen
und Technik – es geht hervorragend. Männer sind sich
sicher: „Wenn meine Ex-Freundin gehirntot auf der Intensiv-Station
liegen würde, dann kann die immer noch eine SMS tippen.”
Dagegen befindet sich der fortschrittliche Mann, der auf sein Äußeres
achtet, unter ständigem Rechtfertigungszwang: „Klar bin
ich männlich! Ich schaue immer Fußball, während ich
mir die Nägel lackiere.”
Das Problem: Gerade wenn du denkst, dass sich alles ganz prima im
Umbruch befindet, triffst du doch wieder eine Frau, wie sie im Buche
steht, mit typisch weiblichen Orientierungsschwierigkeiten, oder einen
Mann, der nach 10 Bieren auch nicht mehr weiß, wo hinten und
vorne ist.
Heutzutage kannst du dich einfach auf nichts mehr verlassen – nicht
mal auf die Unbeständigkeit.
Leukert findet, dass die klimaveränderte Welt ziemlich durch den Wind ist: In der Liebe sind Leistung und Tempo angesagt („Speed Dating”) während die Globalisierung durch den Magen geht („Fischplatte Kreta mit norwegischem Beizlachs”). Auf der Autobahn hat der Langsamste die Macht, und zuhause läuft es schon gar nicht rund: Ein trautes Eigenheim kann unheimlich werden, wenn man die Nachbarn kennenlernt.
Dabei gibt der studierte Pädagoge Leukert zu, dass er nicht immer durchblickt. Vor allem nicht in erzieherischen Fragen. Kinder brauchen heute eine harte Hand – o.k. Nur: Was tun, wenn der rebellische Papa nicht gehorchen will? Die Mutter fühlt sich nicht zuständig für die Kleinen. Sie hat schließlich schon genug damit zu tun, ihren Mann zu erziehen. Andere Lösungen müssen her: Muttermilch per SMS? Das muss doch irgendwie gehen.
So wendet und windet sich der Komiker in „Männer und Kinder zuerst!” als melancholischer Macho, engagierter Vater und Experte für Familie, Jugend und Spott tabulos durch die Grauzonen des Alltags. Was unaussprechlich erscheint, das wird besungen. Dabei treiben sogar banalste Ereignisse, etwa beim Kult-Lied „Atmen”, aufregende Blüten.
Sind Männer und Kinder überhaupt noch zu retten? Vielleicht mit Musiktherapie. Der Berliner mit dem maliziösen Charme trötet und klampft und schafft es an guten Tagen Violine und Mundharmonika gleichzeitig zu spielen. Musikalisch wie textlich folgt Leukert dem Prinzip, scheinbar unvereinbare Gegensätze trocken aufeinander prallen zu lassen: Weltstadt und Provinz, Martin Luther und Schlager, Eltern und Kompetenz.