Hier äußere ich mich in unregelmäßigen Abständen zu Themen wie Gott, Welt, oder Reiseübelkeit.


Oktober 2009

Berliner Schnauze hält die Klappe

Viele Fragen sich, warum hier so selten Einträge zu finden sind. Das eins klar ist: Ich mache hier bewußt einen Ruhigen. Heute blogt und twittert jeder im Minutentakt ("Ich habe heute beschlossen, meinen Stromanbieter zu wechseln..."), da möchte ich ein Gegengewicht schaffen und eine Art textliches Slowfood ins Leben rufen: Was hier betrieben wird ist SLOWWRITE, die Entschleunigung des Wortes. Haben Sie jemals eine bessere Ausrede für Faulheit gehört? Wie auch immer — erwarten Sie den nächsten Eintrag 2010. Ende 2010. Vielleicht 2011. Ich lege mich so lange hin. Tun Sie das doch auch.


Lieblingsfragen
Main Post Würzburg / David Leukert 14.12.2007:

Lieblingsauto
Der alte Benz Flügeltürer 300 SL
Lieblingsgetränk
Berliner Faßbrause.
Lieblingsgericht
Das Kammergericht Berlin-Schöneberg. Hat einen Nazi, der mich und andere Fahrgäste in der U-Bahn bepöbelte, zu elf Monaten ohne Bewährung verurteilt.
Lieblingstier
Elefant
Lieblingsschauspielerin
Martina Gedeck. Weil sie Figuren und Situationen lebt und nicht „spielt“. Sonst wird im deutschen Fernsehen zu viel posiert, als hätte es Stanislawski und Strasberg nie gegeben. Bei den Männern: Daniel Day Lewis. Kennt den noch jemand?
Lieblingssport
Alle B’s, bei denen man sich nicht zu viel bewegen muss: Billard, Bowling, Boule.
Lieblingsworte
Blume, Himmel
Lieblingsmusik
Element of Crime, The Killers. Tokyo Hotel – als Phänomen und weil slowakische Jugendliche jetzt deutsche Worte lernen wie Blume oder Himmel.
Lieblingsreiseziel
Zuhause! Ich bin 50.000 Kilometer pro Jahr tourmäßig unterwegs. Urlaub ist, wenn ich nicht weg muss.
Lieblingspolitiker
Politiker, die weder öffentlich Babies streicheln noch „Benschmark“ sagen.
Lieblingskleidung
Alles was Bill Kaulitz nicht trägt.
Lieblingsbeschäftigung
Schlafen, Lesen, „Desperate Housewifes“ auf DVD gucken.
Lieblingsblume
Storchschnabel – wächst am Wegesrand auf Wiesen auch in der Stadt, die Blüten irrlichtern irritierend changierend blau-violett. Himmlisch die Blume!
Lieblingsbuch
Räuber Hotzenplotz. Sein Lieblingsessen ist auch meins: Bratwurst mit Sauerkraut. So viel zu Frage drei.
Lieblingsabneigung
Eva Hermann und ihr Frauenbild. Der Punkt ist: Moderne Männer wollen doch solche Heimchen am Herd gar nicht, für die nur Kinder, Küche, Kirche gilt. Heutige Männer wollen doch starke, selbständige Frauen, die ihren eigenen Job haben! Und kochen und putzen. Und Kinder groß ziehen.

12. September 2007

Bibiana

Es gibt seit Beginn dieser Saison eine SchiedsrichterIn in der 2. Bundesliga. Die SchiedsrichterIn heißt Bibiana Steinlaus. Beim Nachnamen bin ich mir nicht ganz sicher. Es geht mir aber auch eher um den Vornamen. „Bibiana“ kommt so viel ich weiß von Viviana. Da aber Spanier kein V und kein W sprechen können oder wollen, ohne dass es wie B klingt, hört sich Viviana wie „Bibiana“ an.

Die Sprachfehler anderer Nationen ins Schriftliche zu übernehmen, passt zu unserem Bolk. Vorauseilender Gehorsam in Sachen Namen - vor allem ein ostgotischer Brauch: In Sachsen-Anhalt wird Patrick zu „Petrick“ und David zu „Devid“. Auch von „Frenk“ habe ich schon gelesen. International heißen sie dann zwar wieder ganz anders, aber ich glaube, das stört Pitrick, Divid und Frink nicht.

Ich finde nur, dass das Ganze etwas zu westlich orientiert ist. Der Osten sollte mit einbezogen werden. Russen können kein „H“. Da heißt Gerhard Gergard, Horst Gorst und Hans Gans. Das müssen Eltern in Zukunft bei der Taufe berücksichtigen.

Wie wäre es schließlich mit einer nominellen Ost-West-Achse und deutsch-russisch-englisch-spanischen Namen? Die Politik sollte da vorangehen. Geidemäry Biesorek-Söl geht doch. Görst Siegufer hat was. Engela Mörkl macht sich ebenfalls gut.

Aber: Warum nur Namen? Warum nicht ganze Sätze? Globales Neusprech brächte nicht nur faszinierende Klänge, sondern auch innovative Inhalte: So sägen Sieger aus! Bier sind ein Bolk! Geil Gitler!


Anfang November 2006

So, jetzt gibt es ein nagelneues Programm! Der Arbeitstitel ist „Männer und Kinder zuerst!“. Es geht um unterdrückte Männer und Kinder und darum, dass Frauen gar nicht so sind, wie immer gesagt wird. Weitere Themen sind Ernährung, Globalisierung, Autos, Schweden und Singles.
Enrique und ich waren ganz schön fleißig. Manchmal sind wir schon morgens um 10 aufgestanden, um an Texten und Musik zu arbeiten. Comedy kann ganz schön hart sein. Aber jetzt ist auch was ganz Schönes bei rausgekommen. Schaut es euch doch mal an. In Dexheim oder Darmstadt, nächstes Jahr auch in noch größeren Städten.


12. Juli 2006

WM – die ganze Wahrheit.

Natürlich muss ich über DAS Ereignis sprechen, das uns in den letzten Wochen bewegt hat und letztlich zu einer bitteren Niederlage aller Deutschen geführt hat: Gesundheitsreform. Interessante Idee: Beiträge erhöhen! Doch wir sollten nicht mosern. Dafür wird ja der Leistungskatalog noch mehr zusammengestrichen. Man kann nicht alles haben. (Vielleicht reicht eine private Krankenkasse.)

Jetzt ist es amtlich: Fußball hat nichts mit Politik zu tun. Die große Koalition dachte, sie könnte unbemerkt bittere Pillen verabreichen, während sich das Volk im WM-Fieber befindet. Doch parallel zu den Erfolgen der deutschen Mannschaft, fielen die Umfragewerte für die Regierung. Das hamse davon.

Fußball hat viel mit Politik zu tun. Das Drama des Elfmeterschießens hat eine wichtige Erkenntnis gebracht: Offenbar können nur Länder mit Diktaturerfahrung im Elfmeterschießen gewinnen. Alte Demokratien wie England, oder die Schweiz versagen. Ukraine, Portugal, Italien, Deutschland dagegen behalten die Nerven. Für alle, die Geschichte zugunsten von Töpfern abgewählt haben: In der Ukraine herrschte bis vor kurzem noch Sowjetkommunismus, Portugal hatte bis in die 70er das Salazar-Regime, Italien Mussolini und wir haben Ulla Schmidt.

Das Leben kann sehr zynisch sein. Aber nicht so zynisch wie die Leute. „Allez les vieux“ wurden die französischen Spieler angefeuert. Dabei sind sie im Schnitt nur knapp über dreißig! Ein Kommentator sprach von den „rüstigen Herren“. Denkt denn niemand daran, welche Auswirkungen das auf die Psyche von Leuten hat, die von der Zeit noch stärker herausgefordert wurden? Wie sollen wir Ü-Vierziger denn damit umgehen? Das ist Altersdiskriminierung!

Jeder äußert sich zu Zidane, nur die Bundesregierung schweigt. Dabei könnte man Zidane a batté doch zum Anlaß nehmen, wichtige Themen anzusprechen: Die Verzweiflung von Männern etwa, die kurz vor der Pensionierung stehen, Integrationsbereitschaft, Selbstjustiz, Kopfpauschale.


23. März 2006

Protestanten

Erstaunlich, was der Mohammedaner da wieder veranstaltet. In Afghanistan. Also die eigene Religion in Frage stellen, konvertieren, gilt als unfein, wissen wir jetzt. Da gibt's ´ne Anzeige und mächtig Ärger! Hm. Wie schön, liebe Freigeisterfreunde, dass wir in einem aufgeklärten Land leben, in dem wir über die Auswüchse unserer Religion ungestraft lästern dürfen. Machen wir davon Gebrauch! Denn Religion bestimmt auch unser Leben an Ecken und Enden, manchmal da, wo wir es gar nicht vermuten. Nehmen wir die „Kehrwoche“ in Baden-Württemberg. Diese Beschäftigungstherapie für Schaffe-Schwaben. Kommt daher: Im 19. Jahrhundert haben sich Kirche und Staat zusammengetan und überlegt: Wie können wir die Schwaben abhalten von ihrem schändlichen Lotterleben (mit Sparen und Schupfnudeln essen und was sie sonst noch alles so Wildes treiben, ich will es gar nicht wissen)? Ergebnis des Thinktanks: Wer arbeitet, also den Besen schwingt, sündigt nicht! Menschen außerhalb von Württemberg würden vielleicht sagen: Alles umsonst. Die Sünde besteht im Schwabe-Sein an sich.

Zumindest Nord-und Nordostdeutsche, denen ich mich auch zurechne, sollten da vor der eigenen Türe kehren. Denn das ist typisch protestantisch: Wer viel arbeitet, hat größere Chancen aufs Elysium. Der Schwabe sieht das nur konkreter. Mein ehemaliger Nachbar in Sindelfingen, wo ich ein paar Jahre gelebt habe, hat immer gesagt: „Es heißt ja: „…ins Himmelreich einkehren“.“ Ich gab zu bedenken: „Es heißt auch Fegefeuer.“

Immerhin kehren die Schwaben vor der eigenen Tür. Die Evangelikalen/Protestanten um Dick Moorhuhn Cheney sagen sich: Wenn wir fleißig sind, Profit machen und Land erobern, kommen wir in den Himmel. Und hey: Eine Menge Soldaten haben das schon geschafft. Im Grunde machen die Amerikaner im Irak seit 3 Jahren Kehrwoche. Aber es wird nie richtig sauber.

 


25. November 2005

Post

Was ich nie verstehen werde: Warum kostet ein Brief, den ich innerhalb Berlins verschicke, genauso viel Porto, wie ein Brief nach, sagen wir, Porto? Ich meine, da stehen 4 Kilometer 2500 Kilometern gegenüber!

Aber die Post ist eben nicht mehr wie früher, ein lahmer nationaler Staatsbetrieb, sondern wird immer mehr ein globales, weltweit operierendes Unternehmen. Das spürst du auch als Kunde. Du musst immer weiter laufen, um zum nächsten Briefkasten zu kommen.

Vorgestern habe ich einen Brief weg gebracht. Gehe zu „meinem“ Briefkasten. Moment mal. Hier war doch ein Briefkasten. Oder wo war der? Ist das schon Demenz? Nein, es ist die Post. Abmontiert. Ich habe eine dreiviertel Stunde gebraucht, bis ich den nächsten Briefkasten fand. Und zwar in der Schlüterstraße. Die Adresse stand auch auf dem Brief.

Gut, ich kann so was vielleicht noch leisten. Aber was ist mit den alten Leuten? Meine Oma kann nicht bis jwd laufen, schon gar nicht bis zur Post. Am Postschalter ist es ja auch eine Katastrophe. Schlange bis raus zu Tchibo. Gerade jetzt vor Weihnachten.

In Schweden ziehst du als Kunde ein Marke mit einer Nummer drauf. Da kannst du raus gehen, eine rauchen, was anderes erledigen und die Älteren können sich hinsetzen. Irgendwann bist du dran. Aber wir hier stehen stramm Schlange. Ich glaube, das ist das preußische Erbe. Ruftata ruftata. Und wenn du am Schalter bist, bist du so mürbe gemacht, so klein mit Hut, du stellst keine Ansprüche mehr, du bist nur glücklich, dass es vorbei ist: Zehn Briefmarken bitteschön, dankeschön.

Meiner Oma haben wir letztes Weihnachten ein Faxgerät geschenkt. Das ist praktisch. Jetzt schickt sie die Berichte aus ihrem Leben per Fax, ich habe ihr erklärt, wie es geht. Kürzlich war das Ding allerdings kaputt. Es gab eine Riesensauerei. „Oma, was hast du denn gemacht?“ „Ich wollte euch nur ein paar Tomaten aus dem Garten faxen.“


29. April 2005

Draußen

In der Karwoche war ich auf Mallorca. Ich unternahm zwei Wanderungen entlang der Steilküste im Norden. Ein erhebendes Gefühl: Die Erde, das Meer und der Himmel so nah! Es überkommt einen eine heilige Stimmung. Hier möchte man Menschenopfer bringen.

Kein schöner Anblick dagegen unten in den Niederungen des touristischen Treibens – dort tragen enthemmte Landsleute gräßliches Schuhwerk.

Es ist beschämend und es muss mal gesagt werden: Seit über zweitausend Jahren werden die Völker des Mittelmeers drangsaliert von Horden aus dem Norden. Früher durch Vandalen, heute durch Sandalen. Ja, von deutschem Boden geht Krieg aus.

Römer, die selbst bei hohen Temperaturen lange Hosen tragen, leiden jeden Sommer unter ästhetischen Schocks und an durch Freizeitkleidung hervorgerufener Tedescophobie. Katalanen werden traumatisiert, weil sie Dinge sehen müssen, die sie ihr Leben lang nie vergessen können. Bilder von weißen, behaarten Beinen, die in grauen Birkenstocksandalen, Ganther-Gesundheitslatschen oder gar Adiletten enden, werden den Einheimischen für immer ins Gedächtnis eingebrannt. Manche sind gar Angriffen mit der gemeinsten biologisch-optischen Waffe ausgesetzt: Kurze Hosen, Sandalen und Socken!

Wir müssen lernen, für Südländer sind Sandalen einfach Folterwerkzeuge germanischer Horden, die damit ihre Häuslichkeit nach außen tragen und nicht verstehen wollen, dass draußen nicht drinnen und das Ausland nicht ihr Land ist.

Deswegen hier der eindringliche Appell an meine Landsleute: Im Ausland keine Sandalen und schon gar nicht mit Socken! Und die Männer: Keine kurzen Hosen! Die Welt wird aufatmen. Ich bin sicher: Dann klappt`s auch mit dem Sitz im UNO-Sicherheitsrat. Also noch mal zum Mitschreiben: Im Ausland keine Sandalen und schon gar nicht mit Socken! Und die Männer: Keine kurzen Hosen!


31. Oktober 2004

Sitten und Bräuche

Es gibt doch eine Menge Dinge, die wir uns von den Amerikanern abschauen können, z.B. ihr entspanntes, freundliches Verhalten im Alltag (von einigen Schulmassakern mal abgesehen), oder ihre witzigen Vorabendsoaps.

Aber nein, wir müssen immer beknackte Sitten wie dieses nervige Halloween kopieren. Kleine Kinder sollen sich nervige Horrormasken aufsetzen und klingeln, begleitet von ihren Eltern(!), bei genervten Nachbarn: „Süßes, sonst gibts Saures“.

Der ganzheitlich denkende Pädagoge in mir sieht das so: Mit diesem erpresserischen Verhalten wird unschuldigem Jungvolk die Horrorseite des american way of life frühkindlich eingeprägt.
Die ausgewachsene Version des trick or treat lautet doch „Erdöl, sonst gibts Särge“ oder „Wer nicht für uns ist, ist gegen uns“. Da gibt es nur eins: Das gute alte Verbot. Eltern, keine Angst vor Verboten, Kinder wollen Verbote!


28. Juni 2004

Kulturaustausch

„Die spielen ja wie die Deutschen!“ bemerkte mein Freund Jürgen, als wir uns das Spiel Frankreich-Griechenland anschauten. Tatsächlich schienen die Franzosen ausgelaugt, unbeweglich und weit entfernt von ihrer Bestform, sie sahen irgendwie alt aus, die alten Europäer.

Anhänger der Idee, dass alles mit allem zusammenhängt, sich gesellschaftliche Entwicklungen auch im Fußball wiederfinden, entwickelten wir gleich eine wilde Theorie: Deutschland und Frankreich haben in den letzten Jahren einen intensiven kulturellen Austausch gepflegt, auch politisch ähnliche Auffassungen vertreten u.a. im Irakkrieg, dass diese Zusammenarbeit nun („Schwingungen“, morphogenetische Felder?) zu einer Übernahme der Spielweise des anderen Landes geführt hat. Zum Teil zumindest, also ähm ja.

Es müsste doch möglich sein, diesen Prozess so zu steuern, dass fruchtbare Ergebnisse dabei heraus kommen!

Mit Hilfe einer Kultur-Bewußt-Austausch-Maschine könnte etwa Rumpel-Klose auf Henry machen, oder die Franzosen ihren Leichtsinn in Kahn`sche Verbissenheit ummünzen. Beide Mannschaften wären in Zukunft unschlagbar.

Otto Rehakles scheint so eine Maschine zu besitzen. Bei den Griechen können wir beobachten, was eine kulturelle Konvergenz bewirken kann: Da kommt ein Rentner aus dem Norden, bringt den Südländern bei, vor 12 Uhr mittags aufzustehen, die rennen wie die Blöden und gewinnen. Der verkniffene Otto wird dagegen locker.

Jamas!


22. Juni 2004

Handspiel

Gestern kam die Meldung, dass sich der französische Verteidiger Willi Sagnol im letzten EM-Gruppenspiel die „Mittelhand“ gebrochen hat.

Ich gebe zu, ich bin nicht immer auf dem Laufenden, aber ich war über diese Nachricht erstaunt. Sollten mir grundlegende anatomische Tatsachen entgangen sein? Besitzen alle diese Mittelhand? Oder nur Fußballer? Wozu? Die dürfen doch eh nicht mit der Hand spielen. Und welche Konsequenzen hat diese Meldung für unseren Alltag? „Schatz, ich würde dir gerne helfen, aber du weißt, ich habe zwei linke Hände.“ „Macht nichts, nimm doch die Mittelhand!“

Ist die Mittelhand geistiger Natur wie das dritte Auge? Ist es schlimm, dass ich diese Mittelhand nicht besitze? Wer kann mir helfen?


18. März 2004

Tolle Prämien winken!

Ich bin genervt, aber glücklich. Busfahren wird teurer, beim Arzt muss ich 10 € zahlen und meine Versicherung hat die Jahresprämie für meinen Wagen erhöht wegen der „allgemeinen angespannten Schadenssituation.“ Dabei gibt es auf unseren Straßen so wenige Unfälle wie noch nie. Die Säcke.

Egal.Egal. Ich rege mich darüber nicht auf. Ich bin ein gewiefter Verbraucher. Ich abzocke zurück! Ich habe die Bonusprogramme für mich entdeckt. Für Meilen gehe ich meilenweit! Ich sammel Punkte beim Telefonieren, beim Fliegen, beim Tanken. Ja, ich sammel sogar Punkte beim Punktesammeln.

Vodafone etwa bietet, neben einem eigenen Punkteprogramm (für Vieltelefonierer gibt es Freiminuten, dann kann man noch mehr telefonieren), jetzt auch Vergütungen für Lufthansa-Meilen. Für einen vertelefonierten Euro bekomme ich eine Meile gutgeschrieben. Ist das nicht toll? Ich habe ausgerechnet: Ich muss nur 2083€ pro Monat mobil telefonieren, dann bekomme ich in einem Jahr einen innerdeutschen Flug umsonst. Wahnsinn. Mein Leben hat sich verändert. „Mama, du willst schon auflegen? Rede weiter, ich will nach Bielefeld!“

Auch die Barmer Ersatzkasse lässt sich nicht lumpen. Für Aktivpluspunkte“, die ich bei der Rückenschule, der Wassergymnastik, dem Ernährungskurs „Abnehmen mit Vernunft“ oder dem „Check Up 35 alle zwei Jahre für Frauen und Männer ab 35 Jahren“ sammel, bekomme ich ein sagenhaftes Set Bocciakugeln!

Hoffentlich kann ich auch bald die Barmer-Punkte mit den Vodafone-Punkten kombinieren. Dann bekomme ich sicher im Vodafone-Shop einen Einlauf umsonst.

Wer sich bei so tollen Prämien noch über Abzocke, Gebührenerhöhung und Teuro aufregt, ist nicht ganz dicht. Er sollte lieber zur Inkontinez-Prophylaxe und dafür 100 Punkte kassieren.


9. März 2004

Engelszungen

Im Auto höre ich Energy und RTL104,6 und RS 2, denn dort spielt sich das wahre Leben ab, da singen Kulturschaffende der Populärmusik von Frauen und Männern und ihren Befindlichkeiten und sind so ganz am Puls der Zeit. Aber es kommt ja nicht nur darauf an, die Welt zu besingen, sondern auch sie zu interpretieren. Nur wie?

Was soll man etwa von der melancholischen Elfe Dido halten, die zart-zirpend lamentiert My life is for rent? Wenn ich das richtig verstehe, meint sie, ihr Leben wäre zu vermieten, weil sie sich nicht festlegen will, oder weil ihr ohnehin alle davon laufen, lohne sich ein Kauf nicht, um dann zu der demütigen Erkenntnis zu gelangen: „I deserve nothing more than I get.“ Da kommt ein Krümel Karma rein, ein Schuss Schicksal, das ist so interessant wie irritierend, nicht unbedingt als allgemeiner Trend zu verstehen.

Denn eine Nelly Furtado etwa, möchte sich selbst behaupten mit dem Refrain: „Life is too short, to live it just for you.“ Sie ist eine putzige Portugiesin und man denkt, aha, die Emanzipation ist jetzt auch bei den Katholiken angekommen. Und sie scheint sich schwer selbst überzeugen zu müssen, singt sie diesen Refrain doch 20 mal in drei Minuten und schiebt, in rührender Sorge um den Verstoßenen, nach: „But if you think so powerless, what will you gonna do?“ Frauen also hin und hergerissen zwischen Sex und Selbst?

Nicht unbedingt. Die wasserstoffblonde No Doubt Sängerin Gwen Stafani verfolgt eine klare Linie und gibt sich im aktuellen Video als Serienmännermörderin. Vergiften mit Arsen, Föhn in die Wanne, Typ mit Auto überfahren gehören zu ihrem Programm. Dazu verkündet sie, das wäre ihr Leben und man solle das bitte respektieren.

Löst all das bei Männern Angst aus? Verwirrung? Verstörung? Männer finden einen Ausweg, zumindest wenn man Robby Williams als Gradmesser nimmt: „And when love is dead I`m loving angels instead.“ Keine schlechte Idee. Nur mancher wird sich fragen: Wie kriegt man Engel ins Bett?


15. Februar 2004

It`s only words

Wir gehen so oft mit Worten um, die ihrem Ursprung nach „irre, bekloppt, krankenhausreif“ bedeuten. Das ist schon Wahnsinn. Aber wir erleben auch, wie manche Worte plötzlich wieder eine ursprüngliche Bedeutung bekommen, etwa: TollCollect.

Sicher, gemeint sind Gebühren. Aber ich glaube ja - nomen est omen - Sprache und Wirklichkeit sind nicht zu trennen. Wenn man eine Firma toll nennt, darf man sich nicht wundern, dass was schief geht.


30. Januar 2004

Ass

Das Jahr hat gerade erst angefangen und ich habe schon wieder so viel erlebt! Z.B. gestattete mir das Leben, eine herzerwärmende Landsmännin kennenzulernen. Sie saß da so und saß (egal jetzt wo) und ich schaute und schaute, meine Augen pilgerten über die Täler und Hügel ihrer feingliedrigen Gestalt. Anmutige Gesten bewegten ihr Wonnewesen, Lächeln beglänzte das liebreizende Antlitz, so strahlend, dass die Sterne begannen, sich hinter den Wolken zu schämen. Ich dachte bei mir: Ist sie irdisch, lebt sie wirklich, spricht sie? Oh ja, sie spricht: „Also meen Chef wa? Det is son Arsch ne, den könntick pausenlos inne Fresse haun.“ So ist sie die Berlinerin, offen, identisch, kontrastreich, echt und einmalig in der Welt.

Schön, wenn Menschen zu sich und ihrer Herkunft stehen und sich einer ehrlichen bodenständigen Sprache bedienen. Für die Urheber des Aufklebers der metergroß auf einem Wagen vor meiner Haustür prangt, gilt das wohl weniger. "Athen 2004. Das ass-team." Es geht um die Vorbereitung für die Olympiade im Sommer.

Ich muss kurz vorausschicken: Ich bin gegen die Reinhaltung der deutschen Sprache. Ausländische Gewächse wie etwa das niederländisch-französische Mannequin oder der türkischstämmige Kiosk beleben sie sehr. Aber bekanntlich werden solche Ackerblumen von Pestiziden wie Model und Shop weggeräumt.

Peinvoll wird es besonders, wenn Bauern fressen, was sie nicht kennen und mit der chemischen Keule Englisch um sich sprühen und keine Ahnung haben von gar nix. Ass-team. Sie meinen wohl das nach dem Kartenspiel beste Blatt, im Sinne von erstklassig. Mein Freund aus Birmingham aber würde sich bescheißen vor Lachen, denn realerweise ist zu lesen: Arsch. Athen 2004. Das Arsch-Team. Der Hintern als Vorhut für die deutschen Leistungssportler. Das kann ja was werden mit der Truppe im Sommer. Wie heißt dann eigentlich die ganze Mannschaft? Ass-(w)hole team?

Wenn sich Leute mit eher lokalem Profil global geben, geht das doch immer kolossal schief. Ärsche, nehmt euch ein Beispiel an der Berlinerin!


September 2003

Die Sommerdiskussion

Schirrmacher von der FAZ meint, in Schlüsslpositionen der Medien und der Politik gäbe es zu viele Frauen: Illner, Maischberger, Merkel, Ole von Beust. Dagegen muss etwas getan werden! Erobern wir unsererseits Frauendomänen! Ich gehe mit gutem Beispiel voran. Habe mit meinem Sohn geurlaubt, neulich einen Viktoriabarsch zu Mittag gemacht, das Bad geputzt und außerdem in meinem Nebenberuf als Komiker meine Frau gestanden. Neue CD fast fertig! Programm renoviert, Tour geht los. Alles neu macht der Herbst! Bis bald.


Ende Februar 2003

Hallo Menschen,

habe mich lange nicht gemeldet. Habe so viel zu tun mit dem neuen Programm. Bald isses so weit. Bin schon gespannt auf das Baby.

Bis dahin was ganz anderes, eine Empfehlung. CD: A rush of blood to the head / Coldplay. Kaufen!

Außerdem: Guerra no!
Und: A bientot! (wie wir im Alten Europa sagen)
D.


22. November 2002

Das Schöne und das Biest

1:3 gegen Holland. War ja klar. Schon während des Spiels, als es noch unentschieden stand, dachte ich: Die müssen verlieren, die spielen zu schön. Wie beim WM-Finale.
Is aber auch tragisch. Da beschwert sich alle Welt über den deutschen Rumpelfussball, die Nation sinniert in Kolumnen und Kommissionen, wie man die Plumpheit am Ball überwinden kann und dann kommt eine junge Generation so leichtfüßig, tja bruderleichtfüßig, daher, spielt sich in die Herzen und verliert.
Wir Deutschen sollten es uns abgewöhnen, irgendwas schön zu machen!
Wir können es offenbar, gut zu wissen, aber wenn wir weiterkommen wollen, müssen wir auf andere Mittel zurückgreifen. Vielleicht das Erbe der deutschen Romantik. Schönheit und Tod sind eng miteinander verbunden… Und wo ich schon mal bei der Kunst bin. Gibt es vielleicht irgendeinen bedeutenden deutschen Filigranpinsler? Impressionisten, Pointilisten?
Nein. Von Dix über Beuys bis Kiefer: Blut, Blei, Dreck - das sind die Zutaten des Erfolges. Auf den Fußball übertragen heißt das: Blutgrätsche, Bleirumpelfuß, Arbeitssieg. Merkt euch das!


30. Juli 2002

Fußball

Endlich ist es wieder so weit! Ich habe es kaum ausgehalten! Aber jetzt ist die fußballlose (ja, neue Rechtschreibung, drei L!) Zeit vorbei. Die Bundesliga fängt wieder an. Wie sehr habe ich die Interviews nach dem Spiel vermisst!

Reporter

Kurzes Interview bitte, wie haben sie denn das Spiel gesehen?

Fußballer

Ja, ich denke, es war ein gutes Spiel von unser Mannschaft. Unser Ziel war ja, kein Gegentor zu kassieren und ich denke, das ist uns auch ganz gut gelungen. Bis das Gegentor fiel.

Reporter

Aber das war immerhin schon in der fünften Minute…

Fußballer

Gut, ich denke man muss das positiv sehen. Es hätte ja auch früher fallen können in der vierten Minute, oder in der dritten Minute. Oder sogar in der ersten.

Reporter

Aber es war ja nun ein Eigentor von ihnen. Hat sie das nicht demoralisiert?

Fußballer

Nein, ich denke Moralisieren ist kein Thema. Unser Mannschaft weiß, dass ich auch nach hinten raus sehr stark bin und hat mich dann nach dem Tor auch in Manndeckung genommen.

Reporter

Also die waren nicht sauer.

Fußballer

Nein, überhaupt nicht, ich denke wir können über alles reden und ich habe ja viel für die Mannschaft getan. Ich habe ja dann auch auf der Gegenseite ein Tor geschossen.

Reporter

Aber das ähm war nach dem Seitenwechsel…

Fußballer

Gut, so was wird von den Medien immer sehr kritisch gesehen, aber ich stehe auf dem Standbein: Tor ist Tor. Egal wo das Tor jetzt steht. Ob das jetzt hier oder auf der anderen Seite ist. Ich meine, beim nächsten Spiel steht es wieder ganz woanders in einer ganz anderen Stadt. Da sagt auch niemand was. In Hamburg das Millerntor oder hier das Sendlinger Tor.

Reporter

Zum Schluss noch ein paar Worte zu den Wechselgerüchten. Es heißt, sie wollen ins Ausland gehen.

Fußballer

Ja, gut das sind Spekulationen, an denen werde ich mich nicht beteiligen. Tatsache ist: Ich werde ins Ausland gehen. Ist noch nicht ganz klar, entweder Mailand oder Madrid. Hauptsache Italien.

                  

 


September/Oktober 2001

Totalitär trauern

11.9.
Sprachlos

12.9.
Schlechte Träume

13.9.
Gedanken sind bei den Tätern. Sind die bescheuert? Wollen ins Paradies und fliegen in Büros rein.

14.9.
Auf der Soli-Demo vor dem Brandenburger Tor.
Palästinensern wird eine palästinesische Flagge abgenommen, obwohl sie ein Plakat mitführen, auf dem sie den Anschlag verurteilen. Merke: Man darf nicht doller trauern als die Polizei erlaubt und schon gar nicht an andere erinnern, denen auch öfter mal was auf den Kopf fliegt.

15.9.
Im Kino. Statt Eisverkauf Schweigeminute.

16.9.
Bilder vom ground zero auf einem Privatsender. Musik: "End of the times", die Hilfskräfte in Zeitlupe. Dazu Sätze wie: "Bilder, die sie ihr Leben lang nie vergessen werden". Was denn sonst? "Was war gestern eigentlich los? Ach, richtig. Die beiden Türme sind weg. Viel Qualm. Jetzt wo du's sagst. Ich kann mir auch nicht alles merken."

17.9.
Wiedereröffnung der Börse. Schweigeminute. Der Nachrichtensender will dieses horror vacui seinen Zuschauern nicht zumuten und zeigt parallel zum X. mal den Anflug auf den Turm.
Es kommt mir vor, als würde man auf der Beerdigung eines Ermordeten noch mal auf Video zeigen, wie man ihn umgebracht hat.
So erlebe ich das in diesen Tagen: Viel Tränendrüse – wenig Pietät.

25.9.
Muss aufpassen, dass ich nicht hysterisch werde. Ertappe mich dabei, wie ich orientalisch aussehende Menschen als "Schläfer" verdächtige. Jedes Detail scheint ein Indiz. Wird mein Gemüsehändler auch vom Terrorchef ferngesteuert? Er hat doch immer ein Schild an der Tür: "Bin im Laden".

6.10.
Drei Lehrerinnen wegen antiamerikanischer Äußerungen entlassen, Wickert macht eine unkorrekte Bemerkung. Frau Merkel fordert "Konsequenzen". Das kennt sie noch aus DDR-Zeiten. Wer was gegen den grossen Bruder sagt, fliegt.

12.10.
Apropos fliegen. Die Lufthansa kündigt "Abstriche beim Service" an. Das kann nur heißen, dass alles bleibt, wie es war. Wenigstens dort.


Juli 2001

Hannelore

Schwer, was dazu zu sagen, weil "de mortuis nil nisi bene", oder wie das heißt. Man macht sich nur so seine Gedanken.
Wenn ich Psychologe wäre, würde ich dem System die Schuld geben. Dem System Helmut-Hannelore. Wenn Menschen lange zusammen leben, bilden sie eine Einheit, sie werden sich immer ähnlicher bis in die Physiognomie hinein.
Heiratsscheue ahnen das und legen sich lieber ein Haustier zu. Aber damit kommen sie vom Regen in die Traufe. Meiner Erfahrung nach können auch die Grenzen zwischen Herr und Hund verschwimmen. Mein Freund Torsten hat sich vor zehn Jahren einen Hund angeschafft. Ich hatte ihn gewarnt. Jetzt sieht er von vorn aus wie sein Rottweiler von hinten. Heiner besitzt einen Papagei, und er quatscht wirklich alles nach, was der Papagei sagt.
Hannelore Kohl ist auch einem solchen Übertragungsphänomen zum Opfer gefallen. Ihr Mann versucht seit Jahren zu verhindern, dass seine dunklen Machenschaften ans Licht kommen. Er gehört zum lichtscheuen Gesindel. Sie hat das mit ihrer Allergie somatisiert. Würde ich sagen, wenn ich Psychologe wäre.


3. Mai 2001

Insel der Seligen

Hey, ich bin wieder zurück. Ich war zwei Wochen auf Madeira. Eine Insel, die ich wirklich niemandem empfehlen möchte. Abwechslungsreiche Landschaften, herrliche Aussichten, sonniges Wetter, keine überfüllten Strände. Also bitte wegbleiben! Sonst kommen zu viele und dann ist es nicht mehr so das.
Aber ich erzähle gerne noch ein wenig von diesem Eiland.
Der Madheirenser wie die Madheirenserin sind zumeist des Englischen mächtig, was man vom Festlandiberer nicht immer behaupten kann und auf unaufdringliche Weise freundlich. Unaufdringlich. Eine Tatsache, die ich schätzen gelernt habe, da ich auch schon mal in anderen Ländern anderes erlebt habe; ich sage jetzt nicht wo. Außerdem verstehen sie es, ihr Nationalgericht, den Degenfisch, auf unterschiedlichste Arten zuzubereiten, und das Ergebnis ist immer sehr essbar.
Gewandert bin ich auch, Urwald gibt es hier. Feine Sache. Wasserfälle stürzen von steilen Klippen auf die schmalen Küstenstrassen herab. Der Inselbewohner fährt sein Auto nicht in die Waschanlage, sondern stellt seinen Wagen einfach ein paar Minuten unter einen Wasserfall. Nett, oder? Manchmal sind ahnungslose, depperte Touristen im Cabrio unterwegs…
Hatte auch mal wieder Zeit, ein paar Bücher und Zeitungen zu lesen. (u.a. "Die Glut" von Sandor Marai – wirklich sehr lesenswert).
Im "Spiegel" las ich über Tiere und ihre Empfindungen. Dass etwa Mäuse mutiger und unbefangener im Leben stehen, wenn sie in der ersten Zeit nach der Geburt von Mutterseite große körperliche Nähe erfahren haben.
Ich glaube, das ist absolut auf den Menschen übertragbar. Also junge Eltern: Kuschelt euren Zwerg, was das Zeug hält, und er wird ein Held!
Ich könnte mir vorstellen, dass ich selber ziemlich viel körperliche Nähe erfahren habe. Denn, wenn ich es mir recht überlege, stehe ich doch ziemlich mutig und unbefangen im Leben. Ich bin z.B. auf Madheira Cabrio gefahren.


März 2001

Julia – Ja! Gladiator – Nein!

Habe mir die Oscar-Verleihung komplett angeschaut. Bis morgens um 6!
Julia Roberts schafft etwas Unglaubliches: Sie reagiert übergeschnappt und hysterisch und bleibt dabei trotzdem witzig und sympathisch. Chapeau.
Und naja der Gladiator. 5 Oscars. Ich habe ihn gesehen. Zusammen mit Ralf Möller in der Premiere. Die Handlung verdreht die Historie völlig.
Der Cäsar ernennt einen Feldherren zu seinem Nachfolger. Aber intrigant reißt der fiese Sohn die Macht an sich. Der Feldherr wird zum Gladiator. Und besiegt den Cäsar in der Manege.
Es war jedoch genau anders herum. Jetzt muss ich mal meine zwei Semester Geschichte anbringen. Marc Aurel hat seinen missratenen Sohn Commodus zum Cäsar gemacht. Ein verhängnisvoller Fehler, denn Commodus war ein Unhold. Und der Film tut so realistisch. Dabei wimmelt er nur so vor Goofs. Z.B. Kondenzstreifen am Himmel.
Eigentlich bin ich gleich zu Beginn des Films ausgestiegen. Die Römer bekämpfen wilde Germanenhorden in einem Waldstück. Und wie sieht der Wald aus? Kiefern auf einer Höhe gewachsen. Monokultur, nix Sumpf und Urwald wie damals. Und die Germanen – alle schwarzhaarig. Die waren aber nun mal überdurchschnittlich blond – sagt der Historiker wie der Anthropologe. Doch die Bösen müssen in Hollywood wohl dunkel und zottelig sein und unschuldigen römischen Kurieren die Köpfe abschlagen. Sonst blickt es der Ami nicht. Glaubt Hollywood.
Und wo blieb die Auszeichnung für "I will dance"? Dieser intensive, gefühlvolle, dabei unsentimentale Film hätte nun wirklich einen O. verdient. So ist das Dasein. Interessant und ungerecht.
Steve Martin als Moderator fand ich lustig. Als der greise Dino DeLaurentis geehrt wird, kündigt er ihn mit den Worten an: "Reich, und steinalt. Oder wie Anna Nicole Smith sagen würde: Frischfleisch."